Ökodesign für Wohnungslüftungsgeräte

Flagge Europäische Union

Die EU hat es sich 2009 zum Ziel gesetzt, den Energieverbrauch innerhalb der Union bis 2020 um mindestens 20 Prozent zu senken. Insbesondere im Produktionssektor sehen die Verantwortlichen erhebliche Einsparungspotenziale. Auch deshalb werden Produkte mit harmonisierter Normierung zu Prüfung und Bewertung der Funktionsweise und Energieeffizienz überwacht. Für die Prüfung von Wohnungslüftungsgeräten gilt die Normenreihe >> EN 13141.

Des Weiteren erhalten energierelevante Produkte durch produktspezifische >> Ökodesign-Richtlinien einen Rechtsrahmen zur umweltgerechten Gestaltung, zur Klassifizierung sowie zu Informationspflichten der Hersteller gegenüber den Kunden. Mit Wirkung zum 01. Januar 2016 werden auch Wohnungslüftungsgeräte und Nichtwohnungslüftungsgeräte laut den Verordnungen >> (EU) Nr. 1253/2014 sowie >> 1254/2014 basierend auf EU-Richtlinien produziert und bewertet.

Die EU schlussfolgert, dass eine genaue, sachdienliche und vergleichbare Unterrichtung über den spezifischen Energieverbrauch die Wahl der Endverbraucher auf Produkte lenkt, die am wenigsten Energie oder andere wichtige Ressourcen verbrauchen. Dies soll Hersteller zu Maßnahmen veranlassen, die den Verbrauch von Energie und anderen wichtigen Ressourcen der von ihnen hergestellten Produkte verringern.

Als Marktanreiz verpflichtet die EU alle Hersteller von Wohnungslüftungsgeräten dazu, ihre Geräte bei der Produktdarstellung (z. B. im Geschäft oder in Broschüren) mit dem Ökodesign-Label zu versehen. Zusätzlich müssen Hersteller ein Datenblatt mit sogenannten Informationsanforderungen veröffentlichen, auf dem weitere Kennwerte und Informationen über Geräte und Hersteller enthalten sind.

Diese Verordnungen sollen das Energiesparpotenzial von Wohnungslüftungsanlagen in der EU erheblich steigern. Im Jahr 2010 haben in der EU bereits genutzte Lüftungsanlagen 1.872 PJ an Primärenergie eingespart. Da die Technik der Wohnungslüftung am Markt immer bekannter und bei Neubau und Sanierung beliebter wird, rechnet die EU – ohne Berücksichtigung der positiven Effekte durch die Ökodesign-Richtlinie - mit einem Anstieg auf fast 3.000 PJ an Primärenergie-Einsparung pro Jahr in 2025.

Insbesondere beim Stromverbrauch von Wohnungslüftungsanlagen sieht die EU jedoch erhebliches Einsparpotenzial. Dieses soll durch die Richtlinie aktiviert werden, so dass Wohnungslüftungsgeräte laut Prognose bis zu 4.130 PJ Primärenergie im Jahr 2025 in der gesamten EU einsparen werden.

 

Welche Arten von Wohnungslüftungsgeräten sind von dem Labelling betroffen?

 

Grundsätzlich wird ein Lüftungsgerät definiert als elektrisch betriebene Vorrichtung, die mit wenigstens einem Laufrad (dem Ventilator), einem Motor und einem Gehäuse ausgestattet ist und in einem Gebäude oder Gebäudeteil verbrauchte Luft durch frische Außenluft ersetzen soll.

Aufgrund von unterschiedlichen Anforderungen an Wohnungs- und Nichtwohnungslüftungsgeräte müssen diese Systeme separat betrachtet und mit typenspezifischen Labels versehen werden. Die EU-Richtlinien unterscheiden deshalb zwischen Wohnungslüftungsgeräten, mit Luftvolumenströmen bis zu 250 m3/h (bis zu 1.000 m3/h, wenn sie vom Hersteller ausschließlich als Wohnungslüftungsgeräte deklariert werden), und Nichtwohnungslüftungsgeräten (z. B. für Büros) mit höheren Luftdurchsätzen.

Wohnungslüftungsgeräte mit einer elektrischen Eingangsleistung unter 30 W pro Luftvolumenstrom sowie Ein-Richtungs-Geräte (nur Zu- oder Abluft) mit insgesamt weniger als 30 W Eingangsleistung benötigen laut aktueller Richtlinie kein Label. Dennoch müssen Hersteller die Informationsanforderungen auch für solche Geräte frei zugänglich bereit stellen. Auch Lüftungsgeräte, die in Kombination mit einer Wärmepumpe betrieben werden, fallen nicht unter diese Verordnung. Manche Hersteller solcher Geräte haben sich dennoch, im Sinne der besseren Vergleichbarkeit, dazu entschieden, ihre Geräte mit Labels zu versehen.

Weitere Einschränkungen, z. B. für Lüftungsanlagen mit speziellen Einsatzfällen wie bei besonderen Temperaturen, können der Verordnung entnommen werden.

Die Verordnung unterscheidet des Weiteren zwischen Ein-Richtungs- (ELA) und Zwei-Richtungs-Lüftungsgeräten (ZLA). Erstere fördern entweder Luft mechanisch von außen in das Gebäude (Zuluft-Geräte) oder aus dem Gebäude in die Umwelt (Abluft-Geräte), der jeweils andere Luftstrom wird über den daraus folgenden Unter- oder Überdruck realisiert. Zwei-Richtungs-Lüftungsgeräte stellen beide Luftströme durch mechanische Lüftung sicher (Zu-/Abluftgeräte). ZLA müssen laut Richtlinie mit einer Vorrichtung zur Wärmerückgewinnung versehen werden.

Sowohl Lüftungsgeräte, die mit Hilfe von Kanälen die Luft verteilen, als auch Anlagen, welche die Luft direkt von außen in den Raum und/oder von innen in die Umwelt fördern, werden gelabelt. Diese Systeme unterscheiden sich in ihrer Lüftungseffizienz und anderen Attributen (z. B. Leckage der Kanäle). Die Berechnung der Label berücksichtigt dies, indem sie jeweils eine Konstante für kanalgeführte sowie nicht kanalgeführte Geräte beinhaltet.

Beispiel Ökodesign-Label

 

Welche Angaben werden auf dem Label dargestellt?

 

Das Ökodesign-Label muss seit dem 01. Januar 2016 auch für Wohnungslüftungsgeräte verpflichtend bei jeder Darstellung eines Gerätes gegenüber dem Kunden, beispielsweise auf der Website des Herstellers, beigefügt sein. Das Grunddesign kennen Kunden zum Beispiel schon von Labels für Fernseher oder Waschmaschinen.

Farbige Effizienzskalen, von Rot über Gelb bis Grün, machen den Energieverbrauch von Produkten sichtbar und erleichtern es Kunden europaweit, beim Kauf energieeffiziente Produkte zu wählen. Gleichzeitig sorgen die Effizienzskalen für mehr Wettbewerb zwischen den Herstellern, da potenzielle Kunden die angezeigte Energieeffizienz von Geräten bei der Kaufentscheidung stärker berücksichtigen.

 

Wohnungslüftungsgeräte müssen seit dem 01. Januar 2016 die folgenden Voraussetzungen erfüllen:

 

  • Der für durchschnittliches Klima berechnete SEV darf nicht mehr als 0 kWh/(m2.a) betragen, das Gerät darf also nicht mehr Energie verbrauchen, als es im Vergleich zur konventionellen Heizung einspart,
  • bei Geräten ohne Kanalanschlussstutzen, einschließlich solcher, die entweder an der Zuluft- oder der Abluftseite mit einem Kanalanschluss ausgestattet werden sollen, darf die Schallemission des Gerätes Lwa höchstens 45 dB betragen,
  • alle Anlagen sind mit Mehrstufenantrieb oder Drehzahlregelung auszustatten,
  • alle Zwei-Richtung-Lüftungsanlagen, also alle Geräte mit Zu- und Abluftvolumenströmen, müssen über eine Einrichtung zur thermischen Umgehung (einen Sommer-Bypass) verfügen.

Seit dem 01. Januar 2018 haben sich diese >> Anforderungen nochmals verschärft.

Erfüllt ein Wohnungslüftungsgerät alle von der EU festgeschriebenen Voraussetzungen, dann darf der Hersteller es in der EU verkaufen und muss es mit dem Ökodesign-Label ausstatten und den Informationsanforderungen nachkommen.

 

Auf dem Label müssen angegeben werden:

 

  • Hersteller des Gerätes,
  • Name des Gerätes,
  • Energieeffizienzklasse, basierend auf dem SEV-Wert,
  • Schallleistungspegel Lwa in Innenräumen in dB, auf die nächste ganze Zahl gerundet,
  • höchster Luftvolumenstrom in m3/h, auf die nächste ganze Zahl gerundet. Dieser Wert wird bei Zwei-Richtungs-Lüftungsanlagen mit zwei in entgegengesetzte Richtungen (oben/unten) weisende Pfeile versehen, bei Ein-Richtungs-Anlagen nur mit einem nach oben weisenden Pfeil.

Anhand des SEV (in kWh/a.m²) ergibt sich folgende Einteilung:

 

 

In welche Klassen werden Wohnungslüftungsgeräte unterteilt?

 

Die Labelklassen helfen Endkunden dabei, Wohnungslüftungsgeräte anhand ihrer Energieeinsparung einzuordnen und sich beim Kauf für effiziente Geräte zu entscheiden. Geräte werden in Klassen von A+ (grün; besonders energieeffizient) bis G (rot; Gerät verbraucht mehr Energie, als es einspart) eingestuft. Geräte mit der Klassifizierung G dürfen seit Januar 2016 nicht mehr in der EU vertrieben werden. Ab 2018 wird auch der Vertrieb von Geräten mit den Klassen E und F verboten.

Die Klassifizierung erfolgt auf Basis des spezifischen Energieverbrauchs (SEV) des Gerätes. Je negativer der SEV ausfällt, desto energieeffizienter ist das Gerät.

 

Was bedeutet der Spezifische Energieverbrauch (SEV)?

 

Der spezifische Energieverbrauch (SEV) eines Wohnungslüftungsgeräts wird für die Einteilung der Geräteeffizienz in Labelklassen benutzt. Dieser Wert stellt dar, wie viel Energie in einer Wohnung pro Quadratmeter beheizter Wohnfläche, im Vergleich zu einer konventionalen Heizung, pro Jahr eingespart werden kann. Er wird auf Basis einer nach DIN EN 13141 durchgeführten Geräteprüfung berechnet.

In die Berechnung des SEV greifen verschiedene Faktoren, wie die jährliche Betriebsdauer und Klimadaten, ein. Zum anderen wird die Gerätekonfiguration berücksichtigt: die allgemeine Typologie (kanalgeführt oder nicht kanalgeführt), die Lüftungssteuerung (bedarfsgesteuerte Geräte erreichen zum Beispiel ein besseres Ergebnis als Geräte mit manueller Bedienung) und die Art von Motor und Antrieb (bei mehr Stufen erreicht das Gerät eine bessere Energieeffizienz). Als EN 13141 Prüfergebnisse der Geräte sind der Temperaturänderungsgrad der Wärmerückgewinnung ηt und die spezifische Eingangsleistung SEL von Bedeutung.

Da der SEV das Energieeinsparungspotenzial von Wohnungslüftungsgeräten aufzeigen soll, ist er in der Regel ein negativer Wert. Je negativer das Ergebnis für ein Gerät ausfällt, desto mehr Energie kann eingespart werden.

 

Was müssen Hersteller in den Informationsanforderungen angeben?

 

Neben dem Labelling ihrer Wohnungslüftungsgeräte verpflichtet die EU-Richtlinie Hersteller dazu, sogenannte Informationsanforderungen bereitzustellen.

Diese Gerätedetails geben Kunden und Planern weiterführende Informationen über Geräte, sowie die Betriebs- und Funktionsweise dieser. Eine Auflistung über alle verpflichtenden Angaben in den Informationsanforderungen finden sich in der Richtlinie.

Hersteller müssen den Informationsanforderungen zum einen frei zugänglich auf ihrer Website nachkommen sowie diese in den technischen Unterlagen zu den Wohnungslüftungsgeräten beilegen.



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